König Ödipus

Das Produktionstagebuch

von Sven Schütze

 

Dieses Produktionstagebuch dokumentiert die Entwicklung des Solo-Theaters König Ödipus über den Zeitraum vom 20. November 2008 bis zum 10. Juli 2009, von den ersten Voraufführungen bis hin zu den Premieren. Das DVD-Produktionstagebuch findet Ihr hier!

 

20. November 2008

Vier Tage teils intensiver, teils ruhiger Proben liegen hinter uns. Manche Ideen entwickeln sich eher bei einer netten Tasse Tee, andere muss man immer wieder und wieder durchspielen - Stunden ohne Pause - um dorthin zu gelangen, wo man hin will.

Wo wollen wir denn hin? Wir haben uns zunächst ein Zwischenziel gesteckt: Das Stück bis morgen, bis zur ersten Aufführung, so weit auf die Beine zu stellen, dass es erstens zeigbar ist und für die Zuschauer ein Vergnügen wird, und dass uns größere Zusammenhänge, strukturelle Schwächen und Möglichkeiten bewusst werden können und wir sehen können, wie sich die einzelnen Bestandteile zueinander verhalten.

Denn derer gibt es ja viele: es gibt die bekannte Komik, die durch die schnellen Rollenwechsel und die Figuren selbst entsteht. Daneben gibt es aber auch tragische Momente, immerhin sticht sich die Titelfigur die Augen aus und derlei mehr schreckliche Dinge geschehen. Die Tragik darin soll und muss auch zum Ausdruck kommen, sonst ist die Geschichte null und nichtig. Es gibt musikalische Einlagen auf mehreren unterschiedlichen Instrumenten, es gibt stumme, pantomimische Spielanteile und es gibt sehr expressive, laute Stellen. Das Stück spielt an vielen verschiedenen Orten, Bodo spielt vierzehn verschiedene Figuren, die jeweils ihre eigene Körperhaltung, Sprechweise und Stimme haben, eine davon ist sogar eine Handpuppe.

Wie kommt das alles zusammen? Genau das ist die spannende Frage, auf die wir morgen die erste Antwort bekommen werden.

Was erwartet die Zuschauer? Zunächst einmal einiges Bekanntes. Bodo spielt anfangs wie man ihn kennt, und er spielt in der ersten Hälfte die bekannten drei Episoden aus den Programmen "Noah war ein Archetyp" und "Ich denke, also sing' ich". Diese sind natürlich abgewandelt, um in das Gesamtstück zu passen, doch im Großen und Ganzen bekannt. Dazwischen gibt es neue Teile, eine komplette Episode inklusive zweier Musikstücke. Die Stimmung ist ausgelassen, trotz der schrecklichen Weissagungen des Orakels bleibt der Tenor fröhlich, das Drama gerät zur Komödie.

Der zweite Teil hingegen bietet viel Neues, nicht nur den kompletten neuen Text, sondern auch Facetten in den Figuren, die für Bodo zu spielen neu sind. Für Ödipus bricht sein ganzes Weltbild zusammen, all sein Mühen, den Orakelspruch zu umgehen, war umsonst. Er verliert seine Frau und zugleich seine Mutter wenige Minuten, nachdem er sie erst als solche erkannt hat. Er sieht keinen anderen Ausweg, als sich selbst zu verstümmeln und tut dies auch.

Doch damit entlassen wir die Zuschauer natürlich nicht in die kalte Berliner Herbstnacht. Wir versöhnen, das ist Bodo sich, seinem Image und seinem Publikum schuldig, und er tut es gerne! Musik zwo, drei, vier!

Ich freue mich sehr auf die beiden Abende morgen und übermorgen. Neben mir wird eine Dramaturgin sitzen, eine wertvolle Gesprächspartnerin, die Bodo und mich im folgenden Prozess begleiten wird. Denn neben den inszenatorischen Feinheiten, die dann mehr und mehr meine Aufgabe werden, tut ein Blick von außen auf's große Ganze und die Struktur immer wieder gut und sorgt dafür, dass keiner der Bestandteile ein für die Geschichte ungünstiges Über- oder Untergewicht erhält.

Dann kommt später noch eine Kostümbildnerin dazu, bis dahin trägt Bodo ein von uns improvisiertes Kostüm, das aber schon zeigt, wohin die Reise gehen wird. Es gibt uns die Möglichkeit zu zeigen, wie Ödipus und auch die ganze Gesellschaft um ihn zunehmend die Form und Fassung verliert.

Das Bühnenbild ist schlicht, besteht zum großen Teil aus Requisiten, die Bodo schnell wechseln (und später auf Tour mitnehmen) können muss. Diese gestalten wir selbst. Hier freue ich mich vor allem auf die Adaption des Stückes auf große Theaterbühnen wie z.B. das Schmidt Theater, in dem wir am 17.5. die offizielle Premiere haben, oder das Staatsschauspiel Darmstadt, ein Saal für 900 Zuschauer! Denn solche Bühnenräume bieten ganz andere Möglichkeiten, z.B. alleine über die Position der Figuren im Raum etwas über sie zu erzählen.

Nun bin ich ins Plaudern gekommen. Statt dessen sollte ich mich nochmal mit dem Lichtplan für morgen befassen. Bis bald, ich werde wahrscheinlich nach den Aufführungen nochmal berichten.

24. November 2008

Die Voraufführungen im Zebrano (Bodo) Damit die ganze Geschichte um "König Ödipus" rund und wie aus einem Guß erscheint, feilen Sven und ich in unseren Lese- und Bühnenproben gemeinsam am komplett gereimten Text und den 14 Figuren, die ich auf der Bühne darstellen werde.
Als Rückmeldung für unsere bisherige Arbeit sind natürlich die Reaktionen von Publikum, also von Euch, besonders hilfreich und deshalb gingen wir in dieser Work-in-Progress-Phase ins Theater und luden zu zwei Voraufführungen ein, die wir als öffentliche Durchlaufproben verstanden.

Bei den beiden Voraufführungen im Zebrano saß Sven im Publikum an seinem Regietisch und hat sich viele Notizen zu meinem Spiel, dem Timing, euren Reaktionen und der Wirkung der einzelnen Episoden machen können. Auch Ton und Licht behielt er im Auge. An einigen Stellen hatte Sven den Eindruck, ich sollte den ein oder anderen Abschnitt nochmal spielen und so hat er mich kurz unterbrochen, um mir eine Regieanweisung an die Hand zugegeben.
Wer bei der DVD-Aufzeichnung dabei war, weiß, dass diese Unterbrechungen sehr unterhaltsam sein können, und auf jeden Fall einen spannenden Einblick in unser gemeinsames Arbeiten bieten. So war es auch im Zebrano.
Die Voraufführungen fanden statt am 21. & 22. November 2008 im Zebrano, Berlin.Von den Proben und den beiden Probeaufführungen gibt es jetzt eine Bildergalerie.

26. November 2008

Ein Eindruck von den Probeaufführungen (Til)

Das waren zwei spannende Voraufführungen, zu denen Sven sicherlich in einem seiner nächsten Einträge noch mehr schreiben wird. Ich war überrascht, wie sehr mich der Ödipus-Stoff in Bodos Version ergriffen hat. Da ich mich im Vorfeld mit den verschiedenen Textversionen, Interpretationen und Übersetzungen aufgrund der Pressearbeit für Ödipus beschäftigt habe, saß ich mit einem „ich weiß ja was kommt“- Gefühl im Publikum.

Und trotz meines Vorwissens, war ich atemlos angespannt, wie der ganze Saal, als im zweiten Teil des Stücks die Dramatik durch Bodos Darstellung so fesselnd wurde, dass ich gebannt darauf hoffte, die Handlung möge sich für Ödipus zum Guten wenden, was sie natürlich nicht tat.

Ich bin darüber begeistert (und zwar aus mir heraus, nicht von Berufs wegen), dass Bodo und Sven mit ihrer Arbeit ein so mitreißendes und berührendes Ein-Mann-Theaterstück auf die Bühne bringen, welches Bodos bekannte Wortakrobatik und seinen Witz mit seiner, so bisher noch nicht gezeigten, dramatischen Darstellungsfähigkeit verbindet.

Bereichernd fand ich auch die Gespräche mit Fans und Freunden im Anschluss an die Aufführungen, denn hier zeigte sich die Dynamik im Entstehungsprozess von König Ödipus.

So sprach uns eine Zuschauerin an, dass es doch 14 und nicht 13 Figuren seinen, die Bodo auf der Bühne verkörpert. Richtig! Sven erwähnte in seiner Ansprache vor Beginn der Aufführung, die 13 Rollen des Stücks und berief sich damit auf meine Zählung. Ich hatte auf Basis einer früheren Textversion Merope, Ödipus’ Adoptivmutter, mitgezählt, diese Figur wird aber nur erwähnt, Bodo stellt sie nicht auf der Bühne dar. In einer aktualisierten Textfassung hatte Bodo dann den Priester eingeführt und eine weitere neue Figur erfunden. Beim erneuten Tippen der Liste aller Rollen ist mir der betrunkene Korinther abhanden gekommen. Jetzt stimmt es aber wieder und der Pressetext ist geändert. Es sind also 14 Rollen.

Oder aufgrund des Hinweises einer Freundin von Sven, dass an einer Stelle Priester und Sprecher nicht zu unterscheiden seien, änderte Bodo in der zweiten Aufführung sein Kostüm, sprich, er setzte die Mütze für den Priester quer auf. Jetzt waren die beiden Figuren unterscheidbar, aber der Handgriff zum schnellen Rollenwechsel wurde schwieriger.

Während der Probenarbeiten änderten Bodo und Sven noch Textstellen und nahmen z.B. ein Zitat aus Shakespeares Julius Cäsar in Kreons Ansprache an das thebanische Volk auf.

Auch die Anzahl der Requisiten und Instrumente hat sich verändert, seitdem wir die Ödipus-Seite online gestellt haben. So wurde z.B. das Reclam-Heft mit der deutschen Übersetzung des Ödipus nach Sophokles während der Probenwoche zur Requisite. Und der Cajón kam hinzu. Dieses Schlaginstrument wird von Bodo virtuos bei dem „Battle“ zwischen Ödipus und Kreon gespielt. So sind es zur Zeit 9 Requisiten darunter 3 Instrumente.

Das Stück bleibt also im Fluss und es wird sich sicher noch einiges ändern.

1. Dezember 2008

Die Voraufführungen liegen hinter uns (Sven)

Es waren zwei tolle Tage, an denen wir viel gesehen und erlebt haben.

Eigentlich hätte es diese Aufführungen gar nicht in dieser Form geben sollen. Ursprünglich war die Premiere des "König Ödipus" für Januar 2009 geplant, wurde dann aber aufgrund der intensiven Arbeit an der Noah-DVD auf Mai verlegt. Aus der ersten Planung stammten noch die Termine im Zebrano; es hätten richtige Voraufführung sein sollen, mit einem fast fertigen Stück.

Bodo und Sven im Gespräch

Statt dessen hatten wir nun eine Rohfassung. Wir wollten trotzdem damit auf die Bühne, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie wir mit der Tragik des Stückes umgehen können. Bodo brauchte eine Gelegenheit, um zuversichtlich zu werden, dass er das sich und seinem Publikum zutrauen und -muten kann. Genau das ist passiert: viele Zuschauer kamen hinterher und wünschten sich mehr davon, mehr von genau dem, womit wir uns anfangs unsicher fühlten: mehr Dramatik, mehr Inhalt, mehr Figuren-Wahrhaftigkeit, und am Ende vielleicht nichtmal einen Song, der auf eine Weise versöhnte, die Ödipus eben gerade nicht vergönnt war.

Das sind schöne und ermutigende Rückmeldungen. Und wird mit dazu beitragen, dass ich das halten kann, was ich jeweils in meinen Anmoderationen der Abende versprochen habe: der fertige "König Ödipus" wird nochmal ganz anders aussehen, als das, was am Wochenende im Zebrano zu sehen war.

Bodo und ich haben uns gleich am Sonntag hingesetzt und weiter am Stoff gearbeitet. In der Samstagsvorstellung sass meine Lieblingsdramaturgin Carmen, mit der ich mich ebenfalls Sonntag traf und die mit mir gemeinsam Vorschläge zur Dramaturgie des Stückes erarbeiten wird, die Bodo dann in gereimte Verse umsetzen kann. Auf dem Zettel stehen solche Stichpunkte wie: Kreon intensiver als Freund und Berater einführen, die freudsche Szene besser in die innere Entwicklung der Ödipus-Figur einpassen, Fragen nach Reim und Nicht-Reim in den Todes- und Blendungsszenen klären, in welchem Rhythmus verteilt man musikalische Elemente in dem gesamten Stück etc. pp. Noch am Abend schrieb Bodo erste Neuentwürfe für einzelne Passagen, und selbst als mein Zug am Hauptbahnhof Verspätung hatte und wir uns noch kurz in die DB-Lounge setzen konnten, haben wir eifrig über die Begegnung zwischen Teiresias und Ödipus diskutiert.

Was ist es, dass Ödipus wirklich am Ende des Stückes erkennt? Und wie geben wir das dem Zuschauer an die Hand? Können wir es erreichen, dass er diesem Ödipus durch die Handlung hindurch bis in diese Tiefen der Erkenntnis folgen kann? Dass es nicht wichtig ist, ob das Schicksal sich verändern läßt, dass es egal ist, ob es feststeht oder nicht, wenn man mit seinen Sinnen und seinem Tun im Jetzt bleibt? So ist es doch: Laios fängt das ganze Unheil an, weil er nach der Weissagung auf die Zukunft schaut und nicht auf seine Situation jetzt. Hätte er das getan, dann hätte er sich einfach an der Geburt seines Kindes erfreuen können, mit ihm spielen und es aufwachsen sehen können, anstatt es den Wölfen zum Fraß vorzuwerden. Mal ehrlich: jedem von uns kann irgendwann mal etwas Schlimmes passieren, sogar - so grausam es auch sei - dass unser Kind uns ermordet. Aber muss man deswegen jetzt schon alles aufgeben? Denn mindestens wer Kinder hat wird nachvollziehen können, wie furchtbar es für diesen Mann - und noch schlimmer für seine Frau - gewesen sein muss, seiner eigenen Angst in diesem Moment nachgegeben zu haben und das eigene Kind umgebracht zu haben!

Klingt hochtrabend, ist auch nicht ganz einfach; mit mehr Worten wäre es leichter verständlich zu machen. Wir wollen das im Theater zeigen, dafür haben wir viele Ausdrucksmittel, mehr als in jeder anderen Kunstform, mehr als Bodo bisher hatte.

Wenn sich im Mai der Vorhang im Schmidt Theater öffnet, werden wir erleben, ob wir etwas davon auf die Zuschauer übertragen können.

Eine besondere Herausforderung wird es dann für Bodo sein, von den drei Episoden, die er in seinen Kabarettprogrammen spielt, jeweils zwei Versionen parat zu haben. Denn auch an diesen Teilen werden wir noch viel verändern, wofür wir in der kurzen Probenphase in Berlin noch keine Zeit hatten. Doch der erste Teil, der maßgeblich aus diesen Episoden besteht, ist noch zu komisch, deutet in seiner Art zu wenig auf die Tragödie hin, die sich im zweiten Teil ereignen wird. Auch ist der Ödipus der vierten Episode noch nicht die gleiche Figur wie derjenige in den ersten beiden, denn die vierte wurde weit vor den ersten beiden entwickelt und schon über 500 Mal gespielt, bevor die anderen folgten. Z.B. Ödipus' Hip-Hop-Attitüde und seine ganze ungereifte Jugendlichkeit im Alter taucht in der Teiresias-Begegnung noch nicht auf.

Hier und an vielen weiteren Stellen im ganzen Stück werden wir noch intensiv arbeiten. Der nächste Probenblock liegt im Januar, dann treffen wir uns zu dritt in Berlin und vervollständigen den Text.

Bis dahin werde ich schonmal die Arbeit am Kostüm auf den Weg bringen. Außerdem müssen wir anfangen, die verschiedenen Aufführungsorte auf unsere Bühnenanforderungen hin zu überprüfen und gegebenenfalls zusätzlich Bühnenausstattung einzuplanen. So einfach das Bühnenbild auch ist, manches ist um so wichtiger, z.B. Bühnengassen (so nennt man seitlich Möglichkeiten zum Auf- und Abtreten). Bodo muss, um das Stück zu rhythmisieren, manchmal links und rechts auf- und abgehen können. Und es gibt Veranstaltungsorte, an denen ist das nicht möglich!

Viel Arbeit wartet - ich freue mich drauf. Und werde mich bei nächster Gelegenheit hier wieder melden, was aber ein Weilchen dauern kann. Bis dahin: frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

15. Dezember 2008

Neue Bilder von König Ödipus (Til)

In der Bildergalerie findet Ihr Bilder von den Proben und von beiden Probeaufführungen. Die Proben und die Aufführung am 22.11.08 hat Vanessa Nowak fotografisch begleitet und am 21.11.08 hat Vinzenz Münster im Zebrano fotografiert. Die Bilder sind chronologisch nach der Ödipus-Handlung in einer Galerie zusammengestellt. Viel Spass beim Schauen.

4. Februar 2009

Was ist eigentlich Dramaturgie? (Sven)

Heute war ich zum 2. Mal in diesem Jahr in Berlin und habe mich dort mit Bodo und Carmen, der Produktionsdramaturgin, getroffen, um weiter am Text von "Ödipus" zu arbeiten.

Was machen wir da eigentlich? Der Text ist doch schon fertig, Bodo hat ihn schon vorgetragen, wo ist eigentlich das Problem? Was bedeutet "Dramaturgie" eigentlich und wozu braucht man das bei einer Theaterproduktion (und selbst bei Bodos Songs und Kabarettprogrammen)?

Nicht jeder Text ist ein guter Text. So wie nicht jeder Film ein guter Film ist. Ihr kennt das sicher alle: man sieht einen Film oder liest ein Buch, und manches erscheint unlogisch. Plötzlich passiert etwas, und man weiß nicht, wie der Held jetzt in diese Situation kam. Oder er weiß plötzlich etwas, von dem man nicht erfahren hat, wie er das herausgefunden hat. Er muss das aber wissen, damit die Geschichte weitergehen kann. Ein elementarer dramaturgischer Fehler! Natürlich kann im Film mal etwas passieren, was der Zuschauer nicht sieht oder erst später erfährt. Und es können auch Sachen geschehen, die in unserer Zeit oder Gesellschaft oder Realität blanker Unsinn wären, aber innerhalb der Geschichte muss es stimmig sein. Man sagt: jede Geschichte hat ihre eigenen Gesetze. Im Science Fiction gibt es eben Raumschiffe, die mit Lichtgeschwindigkeit fliegen können. Aber an die Gesetze, die die Geschichte für sich etabliert (bzw. natürlich ihr Autor), muss sie sich schon halten.

Ein wichtiger Aspekt für eine gute Geschichte ist auch die Erzählung derselben. Wie gut wird sie dem Zuschauer vermittelt? Kann er folgen? Wo wird er herausgefordert? Kann er diese Herausforderung (z.B. ein kleines Rätsel) aus eigenen Mitteln meistern oder wird er alleine gelassen? Der Zuschauer will ja gerne mitdenken, aber er braucht natürlich entsprechende Informationen, Wissen, um überhaupt kombinieren zu können. Das beste Beispiel für Zuschauer-Informationsvermittlung ist für mich immer wieder der Film "Der Clou" ("The Sting"): Du denkst, Du bist voll dran, mit den Haupt- und Identifikationsfiguren auf der Höhe der Informationen. Und irgendwann verändert sich das und Du hast nicht mehr Informationen als der Bösewicht, der übers Kreuz gelegt werden soll, und Du wirst gleich mit übers Kreuz gelegt, auch Dir deckt sich der Fall erst am Ende auf, als Dich der Regisseur wieder ins Boot der guten Jungs holt! Grandios ausgetrickst, zum Wohle der Unterhaltung!
So etwas zu bauen, ist sehr schwierig und es gibt ein paar begrenzte Mittel, das zu erreichen. Diese Mittel geschickt einzusetzen ist die Kunst guter Dramaturgie.

Zurück zu Ödipus: Welche Aufgaben liegen hier vor uns? Was klappt noch nicht so recht und woran arbeiten wir im Moment. Es gibt vier Themenkomplexe: Zeitablauf und Vermittlung von Zeiträumen, Ödipus als Herrscher, der Sprecher und Moderation und zuletzt die Schicksalsfrage.

Kurz umrissen:

Bodo erzählt in seinem Drama mehr als Sophokles im Original, bzw. er lässt Szenen akut vor den Augen zu Zuschauers stattfinden, die Sophokles nur im Nachhinein erzählen lässt. Den griechischen Tragödiendichtern war die Einheit von Zeit und Ort ein wichtiges Anliegen: gespielter Zeit und Spielzeit waren stets deckungsgleich, und der Ort der Handlung wurde nie verlassen. Insofern musste Sophokles die Ereignisse mit der Sphinx und die Umstände von Ödipus Inthronisierung berichten lassen. Die Umstände seiner Geburt und des Aussetzens wiederum kannte jeder Grieche der damaligen Zeit, weil dies wohlbekannte Sagenstoffe waren. Sophokles variiert sozusagen nur einen bekannten Stoff, so wie z.B. Engelbert Humperdinck eine Oper über Hänsel und Gretel schreibt und jeder kennt die Vorlage und erkennt wiederum Humperdincks Variationen.
Bodo wiederum erzählt diese Ereignisse in voller Länge und chronologisch, weil er sie einerseits nicht als bekannt voraussetzen kann, weil sie andererseits viel guten Stoff für Situationskomik und tolle Texte hergeben. Laios und Iokaste, die Sphinx, Polybos, all das bestimmt die erste Hälfte des ersten Theaterabendteils. Doch damit handelt er sich natürlich auch eine Schwierigkeit ein: während die ersten 25 Minuten des Abends ca. 22 Jahre im Schnelldurchlauf vor den Augen des Zuschauers aufspannen, verlangsamt sich plötzlich nach der siebten Szene der Zeitverlauf rapide und plötzlich sind erzählte Zeit und Erzählzeit ein und dasselbe. Und selbst in dem 22-jährigen Vorlauf werden mehrere kurze Szenen, die jeweils nur Minuten dauern erzählt, während dann der Sprecher innerhalb weniger Zeilen die Handlung um Jahre vorantreibt (Ödipus Aussetzen, kurz später ist er Jugendlicher und befragt das Orakel).
Hier müssen wir gut darauf achten, dass dem Zuschauer diese Zeiträume verständlich, fast greifbar werden. Vor allem das Vergehen der Zeit zwischen dem Sieg über die Sphinx und der dann folgenden Szenen im Theben unter der Regentschaft des Ödipus ist eine große Herausforderung.

Diese führt direkt zum zweiten genannten Thema: Ödipus macht eine Entwicklung durch, und wenn es nach Sophokles geht, dann ist Ödipus ein guter und ernstzunehmender Herrscher. Er hat die Sphinx besiegt, er ist "Ödipus Superstar", der Priester sagt über ihn, er sei zwar nicht gottgleich, doch "der Erste unter den Menschen". Kurz gesagt: die trauen diesem Rapper-Kid tatsächlich zu, ihre Stadt vor der Pest zu retten! Das muss man Ödipus auch ansehen, und in der Fassung, die wir öffentlich probten, tat man das noch nicht. Hier gilt es, einen neuen, einen zweiten Ödipus neben den jungen zu stellen, der zwar noch nicht alles von diesem Jugendlichen verloren hat - er muss wiedererkennbar sein - aber sich doch so weit entwickelt haben, dass er nicht als Waschlappen und Witzfigur dasteht. Denn - und das ist ein wichtiges Prinzip vor allem in der Theatererzählkunst: ist der König nicht ernstzunehmen, dann fragt man sich sofort auch bei allen Untertanen, die ihm huldigen, was das für Witzfiguren sind. Denn warum nehmen sie so einen König ernst? Wie also die eine Figur ist, beschreibt über die Interaktion mit den übrigen Figuren auch immer diese. Die Macht des Herrschers wird vor allem darüber beschrieben, wie sich die anderen ihm gegenüber verhalten. Das gilt z.B. auch für Kreon. Er sei - so Sophokles - ein Berater der Familie, habe schon für Laios gearbeitet. Wenn der jetzt für einen Trottel-König arbeitet, dann kratzt das auch an seiner eigenen Reputation.

Dieses Dilemma lösen wir zum einen über die Dialoge der Charaktere, aber auch über die Sprecher-Texte. Der Sprecher kann auch dafür sorgen, dass der Zuschauer den Zeitablauf nachvollziehen kann. Er ist eine ganz zentrale Figur des Dramas. Er übernimmt teilweise Funktionen, die der Chor im antiken griechischen Drama hatte - das Nachsinnen, Kommentieren und auch die Einmischung in die Verhandlungen der Hauptfiguren (er weiß Dinge, die keiner weiß). Wir haben zugleich den Sprecher als einzigen Kommentator des Dramas neu beschrieben und die Einleitung durch Bodo als Autor komplett entfernt. Der Sprecher wird das Drama eröffnen, hierfür hat Bodo auch ein neues Lied geschrieben.

Und der Sprecher ist zugleich mit Ödipus die zentrale Figur, wenn es um das Thema "Schicksal" geht, das uns in diesem Drama maßgeblich beschäftigt. Wie verhält man sich gegenüber seinem Schicksal? Ist es wichtig, dies zu kennen? Wenn man's kennt, soll man versuchen, es zu verändern? Oder braucht man es gar nicht zu kennen? Ist es nicht sogar egal, ob es eines gibt oder nicht? Ist es nicht am besten, um Hier und Jetzt zu leben und alles, was kommen könnte, egal sein zu lassen? Was macht es mit meinem Leben, wenn ich immer schon heute die Zukunft versuche zu bedenken und mein Leben jetzt auf eine - ungewisse - Zukunft einrichte? Mein Lieblingsbeispiel: Laios und Iokaste bekommen einen Sohn. Jetzt bringen die tatsächlich ihr eigenes Kind um (oder wollen es zumindest), nur weil ihnen ein Schicksal mit diesem Kind vorausgesagt wird, das nicht das schönste ist. Wer Kinder hat, wird sich ausmalen können, was für eine schreckliche Tat das ist und wie furchtbar es auch für die Eltern gewesen sein muss. Gut, Laios Schicksal soll es angeblich sein, dass sein Kind ihn umbringt. Aber muss ihn das davon abhalten, eine tolle Zeit mit seinem Sohn zu verbringen? Bis der einen Dolch halten kann, wird eine Menge Zeit vergehen, in der er mit ihm spielen und ihn lieben kann? In der der Sohn ihn "Papa!" ruft, was jedem Papa das Herz aufgehen lässt. Und was, wenn das Schicksal dadurch in Erfüllung geht, das Laios ihn am Ende eines langen, ausgefüllten Lebens mit 80 Jahren, als er müde und krank ist, bittet, seinem Leben ein Ende zu setzen, weil er von der Krankheit gezeichnet ist und nur noch in Schmerzen lebt, und Ödipus ihm diesen Wunsch erfüllt? Der Schicksalsspruch wäre somit in Erfüllung gegangen. All diese Möglichkeiten aber verpasst Laios, nur weil er sich heute um sein Schicksal sorgt und dieser - ihm nur vage bekannten Zukunft - Vorrang einräumt vor der Gegenwart, die ganz unzweideutig vor ihm liegt --- und ihn vermutlich aus der Wiege heraus anlächelt.

Ödipus begreift das am Ende - zumindest soll er das in Bodos Fassung tun. Ödipus wird sich die Augen im Zorn ausstechen, weil er sie für unnütz hält. Doch danach wird er bei Bodo noch Zeit haben, und zu einer Erkenntnis kommen, die ihm bei Sophokles (aufgrund des Denkens der damaligen Zeit) verwehrt bleibt. Teiresias wird ihm dabei helfen und der Sprecher wird es kommentierend zusammenfassen: Egal, was Euch die Zukunft verheißt, lasst Euch davon nicht das Leben jetzt vermiesen. Totgesagte Krebskranke sind schon geheilt worden. Wie furchtbar wäre es gewesen, hätten sie aufgegeben und sich umgebracht! Lasst Euch nicht entmutigen! Die Hoffnung stirbt zuletzt!

So, und jetzt hat man aber eine Sophokles-Text zur Vorlage, der sich mit solchen Themen überhaupt nicht befasst und eher sogar das Gegenteil sagen will. Das ist die größte dramaturgische Herausforderung: nicht nur eine innere Konsistenz und Stringenz des Textes zu bewahren, sondern einen alten Text sogar stringent und konsistent neu zu interpretieren. Wie weit kann ich die Figuren anders handeln und denken lassen, so dass sie am Ende zu einem anderen Schluss kommen als im Original, ohne das ihre Handlungen auf dem Weg zu diesem Schluss unlogisch werden?

Diese und andere Fragen stellen wir uns im Moment. In vielen, vielen Sitzungen zwischen Carmen und mir, in denen wir Bodo Gedanken und Strukturen vorbereiten, die wir dann in nochmal mehr Sitzungen mit Bodo gemeinsam erörtern, durchdiskutieren und für die Versform aufbereiten. In diese wiederum gießt Bodo dann unsere Gedanken auf seinen langen Zugfahrten und in den vielen Hotelzimmern, die er vor der Premiere von "König Ödipus" noch bereisen wird.

15. Februar 2009

Kostümbild (Sven)

Heute habe ich mich zum 2. Mal mit Heike, der Kostümbildnerin, getroffen. Nach unserem ersten Brainstorming-Gespräch ist sie in den Fundus gegangen und hat einige Kleider zusammengetragen, die sie für passend hält. Sie brachte auch ein paar Modemagazine mit, in denen wir uns einige ihrer Vorschläge konkret angesehen haben.

Was aber heißt eigentlich Kostümbild in dieser Produktion? Bodo hat doch bei den öffentlichen Proben schon ein Kostüm getragen, was gibt es denn da noch zu tun?

Ein Kostüm kann sehr vieles sein und einen großen Teil der Geschichte erzählen, die es zu erzählen gilt. Ein Kostüm kann die Figur nachzeichnen, dem Spiel des Schauspielers zusätzliches Gewicht verleihen und ihn bestätigen. Das Kostüm kann aber das Spiel auch konterkarieren, kann eine zweite Ebene zeigen: der Charakter benimmt sie in einer Weise, das Kostüm sagt aber etwas anderes aus. Er reibt sich daran und diese Spannung erzählt dem Zuschauer vielleicht, dass er einen Konflikt auszutragen kann.

Gerade für Bodos Ödipus ist das Kostüm von großer Bedeutung. Es ist immer dasselbe, auch wenn er mehrere Figuren spielt. Es muss also eigentlich allen dienen können, zugleich ist Ödipus aber die zentrale Figur und somit auch diejenige, der das Kostüm am meisten entsprechen muss. Hat man es als Ödipus' Kostüm etabliert, können die anderen Figuren dasselbe tragen, es wird nicht mehr irritieren.

Zugleich ist das Kostüm, oder zumindest ein Teil, auch Unterscheidungsmerkmal der Figuren: mindestens die Mütze.

Und das Kostüm erfüllt Funktionen als Requisiten, z.B. die Krawatte, die wir für die Schlußszene benötigen.

Alles, was das Kostüm bisher - in den Kabarettprogrammen wie bei der öffentlichen Probe des gesamten Dramas - ausgemacht und erfüllt hat, stellen wir noch einmal auf den Prüfstand. Einiges lassen wir unverändert, weil es sich bewährt hat, z.B. der Aufbau Schuhe, Hose, Hemd, Weste. Doch auch das haben wir zu Beginn der Kostümentwicklung hinterfragt, haben uns Bodo in einer langen Toga vorgestellt oder in einem leichten, hellen Anzug mit weiten Beinen, ähnlich denen eines japanischen Samurai und dazu ein hochgeschlossenes, enges Hemd und Jackett. Doch das ist nicht bühnenpraktikabel und würde von Bodo und mir zuviel Uminszenierung erfordern, zuviele schon geübte Bewegungen müssten wir neu erarbeiten.

Doch Schuhe, Hose, Hemd, Weste können vielgestaltig sein. Welche Farbe wollen wir? Hier spielt z.B. der Bühnenraum eine Rolle, der immer schwarz sein wird. Welche Stofflichkeit wollen wir? Und zu dieser Grundausstattung kann man noch manngifaltige Accessoires hinzufügen, die ihrerseits noch Funktionen übernehmen können, die wir bisher noch nicht im Stück haben.

Z.B. sind wir mit der Mützenhaltung von Iokaste noch nicht zufrieden. Müssen wir aber die Haltung ändern, oder können wir die Mütze in dieser Haltung vor dem Bauch so verändern, dass sie für Iokaste etwas ganz spezielles erzählt? (Ja, können wir, aber wie, das verrate ich hier nicht.) Wie ist es, wenn sich Ödipus' Halskleidungsstück verändert, z.B. von einer Krawatte zu einem Halstuch? Schließlich wollen wir ja auch erzählen, dass er älter und reifer wird, als er König von Theben wird, dass aus dem Jungspund ein ernstgenommener, guter Herrscher wird. Wie kriegt man für Ödipus' einen Rapper-Style ins Kostüm, ohne das es aufdringlich wirkt? Auch hier haben wir Ideen, die wir jetzt bei den kommenden Gelgenheiten wie dem Photoshooting für's Plakat und den nächsten Proben ausprobieren und ansehen werden.

Heike hat unendlich viele Ideen. Unser Treffen sah so aus, dass sie mich eine halbe Stunde lang mit ihren Ideen überhäuft hat, danach haben wir sortiert. Und uns schon auf einige Grundideen geeignet und das meiste andere über Bord geworfen. Jetzt muss sich in den Proben und im Zeitrahmen zeigen, was sich realisieren lässt und was wir umsetzen wollen, auch natürlich: was Bodo gefällt. Denn wenn sich der Schauspieler im Kostüm nicht wohlfühlt, dann ist auch das Kostüm für die Katz'.

In jedem Fall zeigt mir die Arbeit am Kostüm wie auch die am Text immer wieder deutlich, dass wir halten werden, was ich bei den öffentlichen Proben in meiner kleinen Einführung vor dem Publikum versprach: was Ihr im Mai auf der Bühne des Schmidt Theaters sehen werdet, wird mit den öffentlichen Proben nur noch wenig gemeinsam haben!

7. März 2009

Proben? Welche Proben? (Sven)

Ich nehme heute mal einen Gästebucheintrag zum Anlass für meinen neuen Tagebucheintrag. Die Frage war, wie denn eigentlich Proben bei uns ablaufen.

Wenn sie denn ablaufen, dann sehen sie so aus:

Wir buchen uns für die Probenzeit einen richtigen Theaterraum. Das ist meistens ein kleines Theater - in Berlin oft das Zebrano-Theater oder auch den Kookaburra Comedy Club, in Hamburg proben wir in der BiB, dem Kulturzentrum für Altona-Nord. Wir fangen mittags an und arbeiten bis in den späten Nachmittag. Vier bis fünf Stunden Solo-Theaterprobe sind eine große Anforderung an die Konzentration der beiden Probenden, Schauspieler wie Regisseur.

In dieser Zeit nehmen wir uns alles mögliche vor: Wir arbeiten an der Textsicherheit, an den Interpretationen der Texte, an Bodos Spiel, seiner Gestik, Mimik, seinem Ausdruck. Wir suchen nach Haltung, Gestus und Stimme der verschiedenen Figuren - immerhin müssen wir 14 Figuren nur anhand dieser Attribute und der Mütze differenzieren. Zwischendrin machen wir mal Pause - in der Nähe gibt es oft ein leckeres, günstiges Restaurant, in Hamburg sogar unter demselben Dach (das "Breitengrad", ein ceylonesisches Restaurant, sehr empfehlenswert!).

Allerdings fanden in den vergangenen Tagen anders als geplant gar keine Proben statt. Denn wir sind immer noch eifrig dabei, den Text zu entwickeln. Ohne feststehenden Text kann man leider schlecht proben.
Bodo hat schon weit über 70 Verse des Stückes neu getextet, unter anderem die Songs werden noch einmal komplett überarbeitet, auch die Teiresias-Szene hat viele Veränderungen erfahren. Sie ist die älteste aller Szenen. So wie Bodo sie damals geschrieben hat, textet er heute nicht mehr. Also muss auch diese Szenen an den heutigen Stand seiner "Kunstfertigkeit" angepasst werden - quasi also neu gedichtet werden.

Ödipus_Textarbeit mit Carmen
Und so sind wir erstmal bei der Textarbeit geblieben. Wir haben statt in den Probenraum zu gehen lange Stunden im benachbarten Restaurant gesessen und dort Vers um Vers durchgearbeitet und alles noch einmal darauf überprüft, ob sie genau das aussagen, worauf wir am Ende hinaus wollen. Bei dieser Arbeit hat uns nun auch Carmen geholfen, die Dramaturgin unserer Produktion. Zunächst hatte ich einige Tage mit ihr zusammengesessen und den roten, philosophischen Faden für das Stück entwickelt, und nun haben wir mit Bodo gemeinsam daran gearbeitet, diesen Faden ins Stück einzuweben.

16. März 2009

Das Photoshooting (Til)

 An dieser Stelle möchte ich Euch die Menschen vorstellen, die am Photoshooting mitgewirkt haben. Zunächst Nele, die Fotografin und Marc, der die Fotoassistenz übernommen hat und Klaudia, unsere Büroassistentin, die die fotografische Dokumentation des Shooting erstellte.

Dann sind Heike, die Kostümbildnerin und Ulrike, die Maskenbildnerin, sowie Bettina, unsere Graphikerin zu nennen, die alle mit ihrem spezifischen Fähigkeiten und dem jeweiligen Fach-Blick die unterschiedlichen Phasen des Shootings begleitet haben.

Dann natürlich Bodo und Sven in seiner Funktion als beratender Regisseur und Anspielpartner für Bodo. Anspielpartner deshalb, da einige Photomotive aus dem direkten Spiel gegriffen sein sollten. Da Bodo aber immer die Rollen wechselt und so im Spiel zu viel Bewegung für die Kamera entstanden wäre, hat Sven alle Rollen, die mit Ödipus agieren, übernommen, sodass Bodo für Neles Kamera immer Ödipus sein konnte.

Schließlich waren auch Gernot und ich vor Ort, da wir organisatorische Aufgaben, wie z. B. Absprachen mit dem Photostudio, Umbauhilfe und Catering übernommen hatten. Und natürlich auch, weil wir neugierig waren, wie so ein 10stündiges Photoshooting ablaufen würde.

Die Bildergalerie gibt Euch einen kleinen Einblick in den Ablauf des Shootings. Viel Spaß beim Schauen.

20. März 2009 (Frühlingsanfang)

Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen eine Premiere und einer Vorpremiere? (Antwort von Sven)

Eigentlich gibt es ja nur EINE erste Aufführung, und das ist die Premiere. Die ist auch etwas ganz besonderes: man lädt neben seinen Freunden, die man ohnehin einladen würde, auch ganz spezielle Gäste ein, die rühmen sich dann, bei der Premiere dabei gewesen zu sein, und das Premierentheater rühmt sich sowieso, die ersten gewesen zu sein, die das Stück gezeigt haben. Es gibt eine Premierenfeier, man haut sich den Wanst voll und all das.
Das macht auf der einen Seite neidisch und ist auf der anderen Seite unpraktisch. Zwei Dinge, die man gerne vermeidet.

Erst zur einen Seite: viele Theater hätten gerne das Stück als erste im Repertoire. Und man gönnt es meistens auch mehreren, denn man versteht sich ja mit vielen Theaterbesitzern gut. Also bietet man "Vorpremieren" an, das sind quasi Vorschauen. Die dürfen vom Veranstalter nicht wie Premieren beworben werden (sonst ist das Premierentheater verschnupft), aber "Vorpremiere" heißt für den Zuschauer trotzdem: "ich seh's mit als erster!" Eigentlich sieht er's ja sogar viel früher als der spezielle Premierengast - um das wieder auszugleichen geht die Vorpremiere sehr schlicht vonstatten, während die Premiere mit dem entsprechenden Glanz und Glamour daherkommt.

Jetzt zur anderen Seite: für die Schauspieler und Regisseure ist es praktisch, das Stück vor der eigentlichen Premiere - bei der man ja naturgemäß sehr aufgeregt ist - schonmal vor Publikum auszuprobieren. Das senkt sowohl das Lampenfieber als auch die Fehlerquote bis zu Premiere. Bei der Vorpremiere ist das Stück also eigentlich fertig, es muß aufführungsreif und eingespielt sein. Aber kleine Veränderungen kann ich als Regisseur eben doch noch vornehmen, ohne daß es jemand sonderlich merkt; ich kann dem ganzen den letzten Schliff geben.

Insofern sind Vorpremieren eine glatte win-win-situation: die Vorpremierenkartenkäufer sind glücklich, weil sie in Wirklichkeit die ersten sind, die das Stück sehen, die Vorpremierentheaterbesitzer sind glücklich, weil sie ein tolles Verkaufsargument für ihre Karten haben, die Premierengäste sind glücklich, weil sie auf dem roten Teppich laufen und einen Sekt umsonst kriegen, die Premierenveranstalter freuen sich über die Pressepräsenz, der Schauspieler kann bei den Vorpremieren kräftig üben und sich durch den Applaus die nötige Courage zulegen für den großen Premierenabend und der Regisseur - nun, der hat einfach noch ein paar Arbeitstage mehr und muß dazu nach Aschaffenburg fahren.

3. April 2009

Carl lost einen Gewinner aus

Exklusive Verlosung (Bodo) Ich habe mich zu einer weiteren Voraufführung von "König Ödipius" entschlossen, denn seit den Voraufführungen im Zebrano im vergangenen November hat sich eine ganze Menge am Text und in der Inszenierung geändert. Am 3. März habe ich die Verlosung in meinem Elektrobrief angekündigt und am Freitag, den 13.März hat die Haupt-Verlosung stattgefunden.

 Die Abonnenten meines Elektrobriefes hatten somit exklusiv die Möglichkeit sich den Zugriff auf Karten zum Preis von 15 € zu sichern – das Los hat aus 221 Einsendungen entschieden, wer bei meiner letzten nicht-öffentliche Voraufführung von "König Ödipus" dabei sein kann.

Die beiden Aufsichtsbeamten Hasi & Bruno hatten sich vor der Ziehung von dem ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes und der 221 Loszettel überzeugt. Unsere Büroassistentin Klaudia hat mit Carls Hilfe 31 Gewinner ausgelost, die per Mail informiert wurden. Auch die Nachverlosung von nicht eingelösten Karten hat mittlerweile stattgefunden.

Es freut mich, dass so viele Abonnenten bei der Verlosung mitgemacht haben und ich bedanke mich herzlich für die persönlichen Grüße, die viele in Ihrer Losmail mitgeschickt haben.

Sven und ich proben heute noch den ganzen Tag und dann ist es morgen soweit. Ich freue mich und ein wenig aufgeregt bin ich auch!

9. April 2009

Dramaturgin, Regisseur und Künstler
>> Probe vom 3. April mit Bodo, Carmen (Dramaturgin) und Sven (Regisseur) <<
Voraufführung im Hamburger Sprechwerk (Gernot) Nach einer intensiven Probenwoche war es nun endlich soweit. Bodos letzte Voraufführung stand an. Til hatte sich um die Organisation der Probenbühne gekümmert. Das Anforderungsprofil war etwas spezieller, als noch im Herbst letzten Jahres. Damals, bei der ersten öffentlichen Probe im Berliner Zebrano-Theater, einer kleiner intimen Lokation, die den Charme eines pickepackenvollen Wohnzimmers versprühte, saßen die Zuhörer Bodo praktisch auf dem Schoß. Diesmal kam es jedoch nicht auf eine kuschelige Kleinstkunstatmosphäre an, sondern auf einen großen Bühnen- und Zuschauerraum und ein größeres Maß an technischer Ausstattung. Zum ersten Mal sollte nun ein einstudierter Lichtablauf zum Einsatz kommen. Außerdem sollte die Bühne die ungefähren Maße der Premieren-Bühne im Schmidt-Theater haben, um Bodo ein Gefühl für die Weite des Raums und die Länge der Wege zu geben und Ab- und Aufgänge der handelnden Personen üben zu können.

Als ich abends im Hamburger Sprechwerk eintraf, war ich sehr gespannt zu sehen, wie weit sich das Stück in den letzten Monaten entwickelt hatte. Das Publikum, ca. 100 Personen, setzte sich aus den Gewinnern der Newsletter-Verlosung, unserem Team und Bekannten von uns zusammen.

Es lag eine gespannte wie freudige Erwartung in der Luft.

Sven begrüßte uns alle mit einer kurzen Erläuterung, dass es sich um eine Voraufführung mit starkem Probencharakter handele und er Bodo an einigen Stellen unterbrechen werde. Dann bedankte er sich beim Sprechwerk für die freundliche und hilfsbereite Atmosphäre während der Probe am Nachmittag und schon konnte es losgehen. Bodo spielte zum ersten Mal in seinem neuen Kostüm, einem eleganten Ensemble in beige, in dem er sich sichtlich wohlfühlte

Da Bodo seit dem Zebrano-Auftritt ca. 250 neue Verse neu gedichtet hatte, musste Sven an einigen Stellen auch als Souffleur einspringen. Dies wurde vom Publikum humorvoll zur Kenntnis genommen. Wir staunten allesamt nicht schlecht, als wir in Svens Händen das daumendicke Textbuch sahen und einige Leute fragten mich sogar: „Wie merkt sich Bodo neben seinen 3 Kabarettprogrammen auch noch das alles?“

Bodo seinerseits spielte sich schnell in die Geschichte hinein. Hatte man zu Beginn noch etwas Nervosität bemerkt, legte er diese von Szene zu Szene merklich ab. Fehler baute er dankbar in Slapstick-Elemente um, sodass diese teilweise wie einstudiert wirkten. Mir fiel insbesondere die eindrückliche Wirkung des Lichts auf, das nun erstmalig während einer Aufführung gefahren wurde. Es erzählt oft einen wichtigen Teil der Handlung, denn es grenzt die verschiedenen Spielorte voneinander ab. Das „Orakel von Delphi“, „Theben“, „Korinth“, oder einfach „eine hohle Gasse“ haben alle eine eigene Lichtstimmung und wirken deswegen jeweils anders auf den Zuschauer. Dies hilft dem Betrachter, sich zu orientieren und der Handlung zu folgen. An der ein oder anderen Stelle unterbrach Sven dennoch die Vorführung und rief Oli, unserem Lichttechniker, Anweisungen zu („Wir gehen hinten im Zentrum noch mal auf die 2, Stimmung wie Delphi ...“). Da ich persönlich, wie auch der Großteil des Publikums, in Sachen Theaterarbeit kaum Erfahrung habe, war es sehr spannend für uns, einen Einblick in diese Form der Probenarbeit zu bekommen.

So langsam ließ sich erahnen, wie kleinschrittig und geduldig ein Stück von Schauspieler, Regisseur, Dramaturg, Technik etc. erarbeitet werden muss. Trotz einiger Unterbrechungen folgte das gesamte Publikum der Handlung gebannt.

Bodo baute neben den theatralischen Elementen auch immer wieder Musik mit ein und überraschte uns hierbei mit zwei weiteren Instrumenten neben dem Klavier, die ihm als klangliche Hilfsmittel dienten.

Nach insgesamt fast 90 Spielminuten (und einer 20- minütigen Pause) nahm ein sichtlich erleichterter Bodo einen begeisterten Schlussapplaus entgegen. Das Team setzte sich nach der Vorstellung zusammen und erarbeitete ein gemeinsames Feedback, um festzuhalten, an welchen Dingen Bodo, Sven und Carmen (unsere Dramaturgin) noch arbeiten müssen.

Insgesamt war es ein kurzweiliger Abend, das Stück hat sich deutlich weiterentwickelt und sowohl das Publikum als auch das gesamte Team freuen sich auf die Premiere im Mai.

17. April 2009

Schicksal & Vorhersehung (Sven)

Wieder ein paar Hintergrundinformationen zur inhaltlichen Arbeit an Bodos Ödipus-Fassung:

Wir befassen uns bei der Umarbeitung eingehend mit dem Thema der persönlichen Vorhersehung oder Bestimmung. Das ist ein höchst modernes Thema: in einer Zeit, ich der ich mich als Jugendlicher zumindest in einem Land wie Deutschland und mit einem mindestens mittelständischen Bildungshintergrund für so ungefähr alles in meinem Leben selbst entscheiden kann und muss, ist es wichtig, auf das zu schauen, was mir eigentlich gegeben ist. Was hält das Leben für mich bereit? Wo liegen meine Chancen, Fähigkeiten, Möglichkeiten, wo kann ich mir Fertigkeiten erwerben und wo wiederum sind meine Grenzen, was werde ich nicht erlangen können, wonach zu streben mich dann unglücklich machte?

Wir haben uns zu Beginn unserer Entwicklungsarbeit am Stück diese Fragen gestellt: Was muss z. B. jemand wie Bodo machen, damit er Klavierkabarettist wird? Hier ist die Geschichte von Laios und Ödipus auch eine ganz persönliche geworden. Denn Bodo, wie alle Menschen, wie auch Laios/Ödipus sind am Anfang Ihres Lebens mit gewissen Bildern von sich und der Welt konfrontiert worden: Die Eltern erklären einem die Welt. Dabei ist es selbstverständlich ihre eigene Welt. Ist das auch zwingend die des Kindes? Stimmt sie mit dem noch unbekannten Charakter des Kindes überein, der sich erst noch zeigen, an die Oberfläche arbeiten muss?

Muss der Sohn eines Steuerberaters Steuerberater, eines Bänkers Bänker, eines Akademikers Akademiker werden? Was, wenn ihn das gar nicht interessiert? Ihm wird ein von anderen bestimmtes Bild vorgesetzt: "Kind, werde Rechtsanwalt, dann hast Du ein erfülltes Leben, ein Leben wie ich. Wenn Du hingegen kein Rechtsanwalt wirst, wird es Dir schlecht ergehen, denn nicht Rechtsanwalt zu sein bedeutet, in Unsicherheit zu leben." Doch dieses Fremdbild, die Unsicherheit ist diejenige, die der Erwachsene hätte, wenn er mit seinem bisherigen Erfahrungsschatz einen anderen Beruf wählte! Das Fremdbild ist Ergebnis der - zwangsläufig - eingeschränkten Sicht der Eltern. Sie haben nunmal nur dieses eine Leben gelebt, für das sie sich entschieden haben. Das ist per se nichts schlechtes, ist kein Vorwurf, sie mussten sich ja entscheiden! Vielleicht sind sie wirklich glücklich und hatten tatsächlich ein erfülltes Leben, dann ist die Versuchung für das Kind, auch diesen Weg einzuschlagen, selbstverständlich größer, als wenn es sogar schon durchschaut hat, dass das Leben der Eltern ein Selbstbetrug ist (was auch nicht selten vorkommt, denn auch die Eltern sind vielleicht auf die gleiche Weise in ihrer Lebensgestaltung beeinflusst worden - von ihren Eltern).

Fatalerweise haben die Bilder der Eltern und deren "Voraussagungen" für das Kind den Wert einer absoluten Wahrheit. Nichts glaubt ein Kind mehr, nichts ist wahrhaftiger als die Aussagen der Eltern (selbst wenn es dagegen in Widerstand tritt; auch dieser ist der vermeintlichen Absolutheit der elterlichen Meinung geschuldet). Doch stimmt dieser Entwurf auch für dieses spezielle Kind, für seinen Charakter, für seine Talente? Was wäre aus dem Talent des Schauspielers geworden, hätte er sich nicht entschieden ein solcher zu werden? Er hätte sich wahrscheinlich sein Leben lang gegrämt, es nicht getan zu haben, und wäre ein unzufriedener, frustrierter, später vielleicht sogar verbitterter Mensch geworden, erfüllt von Wut auf sich selbst, weil er den Schritt nicht gewagt hatte.

Denn jedes Kind trägt eine echte Prophezeiung, eine wahre Bestimmung in seinem Inneren, nämlich die der persönlichen Vorlieben, Interessen und Talente, mithin seinen Charakter. Und das ist die Prophezeiung, der man nicht entkommen kann, die einen immer wieder einholt. Man sieht, hört und kennt diese Menschen, die ihrer eigenen Bestimmung nicht nachgegangen sind: Menschen mit anerkannten, geachteten Berufen, die trotzdem nach den Konzerten zur Autogrammstunde kommen und dabei Sätze sagen wie: "Ich wäre auch fast Pianist geworden, aber jetzt bin ich nur Musiklehrer. Mir fehlte der Mut." oder "Ich habe mit dem Geigespielen irgendwann aufgehört, Jura erschien mir sicherer." Das kann die richtige Entscheidung gewesen sein, oft ist sie es aber nicht und aus diesen Menschen spricht eine unendliche Sehnsucht. Sie sind nicht ihrer Bestimmung gefolgt, sondern haben sich von Fremdbildern und den - nicht selten existenziellen - Ängsten Ihrer Eltern vom ureigenen Weg abbringen lassen.

Denn was muss das Kind tun, um den Weg zu gehen, den es als seine Bestimmung empfindet? Es muss sich über alle Fremdbilder, all die von den Eltern projizierten Ängste hinwegsetzen, um seinen eigenen Weg einzuschlagen. Dieser Weg wurde nicht selten schon vorher von den Eltern als unwegsam und steinig beschrieben, als Weg ins Verderben. Das Kind hat kein Vertrauen dahinein, nur die Hoffnung, dass es damit glücklicher wird, als auf dem Weg, den die Eltern vorschlagen und als sicheren Hafen beschreiben. Das Kind geht das größte Wagnis seines Lebens ein: sich gegen die Eltern stellen, um das eigene zu tun! Diese Kinder kämpfen nicht selten jahre- oder ihr Leben lang dafür, anerkannt zu werden in ihren Fähigkeiten.

Laios wird prophezeit, sein Sohn werde ihn mal ermorden. Nehmen wir das mal als Lebensvoraussagung an: "Laios, so wird es laufen in Deinem Leben." und setzen diese negative Voraussagung umgekehrt gleich mit der positiven Bestimmung zum Talent, von dem ich eben sprach. Was für eine Wahl hat Laios, hat das mit einer bestimmten Fähigkeit begabte Kind (ob zum Künstler, Ingenieur oder Automechaniker spielt dabei keine Rolle)? Beide können sich in einer Höhle im Gebirge verkriechen und tunlichst vermeiden, genau das zu tun, wovon die Vorhersehung spricht: Laios zeugt keinen Sohn, das begabte Kind erlernt keinen Beruf oder den falschen. Was passiert? Beide entsagen etwas, das ihnen mit Sicherheit Freude gemacht hätte: eigenen Kindern der eine, einem erfüllendem Beruf das andere. Frustrierend.

Statt dessen können sie das Leben auch als Herausforderung ansehen, und auf sich zukommen lassen, wie es sich entwickelt: Laios hat mit Sicherheit erstmal eine schöne Zeit mit seinem Sohn, bevor dieser überhaupt ein Schwert hochheben oder giftige von ungiftigen Kräutern unterscheiden kann. Ein Kind ist ein wunderbares Geschenk! Und zugleich ermöglicht Laios sich etwas: die selbstbestimmte Gestaltung seines eigenen Lebens! Denn seine Ausweichbewegung, indem er das Kind ermordet (oder sich in der Höhle verkröche, wenn's nicht schon zu spät wär' und das Kind schon gezeugt), ist destruktiv und lebensverneinend! Sie zerstört das Leben - seines und das des Kindes! Nur das Annehmen der Prophezeiung birgt die Chance für einen Anfang, für neues Leben, für Kreativität und Gestaltung! Das Leben anzunehmen ist eine Selbstermächtigung!

Das wäre, wenn Laios sich mit seinem Sohn statt dessen zum ernsten Gespräch verabredete, wenn dieser 14 oder 16 Jahre alt ist. Er ihm erzählte: "Sohn, ich hörte einst ... haben wir ein Problem?" Er könnte es vielleicht lösen! Und die besondere Ironie ist sogar, dass der Orakelspruch so verdammt vage ist, dass er auch dann erfüllt wäre, wenn der Vater im hohen Alter, nach einem glücklichen Leben und gesegnet nicht nur mit Kindern, sondern schon mit Enkeln und Urenkeln, alt und gebrechlich, mittlerweile von Krankheit gebeugt und von unendlichen Schmerzen geplagt, seinen Sohn darum bitten würden, seinem erfüllten Leben mit einer Spritze ein Ende zu setzen! Ödipus hätte seinen Vater getötet!

Doch was hat Laios alles verpasst, indem er diesem Leben keine Chance gab?! Und genau die gleiche Frage muss sich jeder stellen! Was verpasse ich, wenn ich ausweiche, den guten wie den schlechten Herausforderungen meines Lebens? Wenn ich immer nur laviere, und wenn ich niemals mutig das in die Hand nehme, was meines ist. Patienten mit tödlichen Krankheiten kennen das von der negativen Seite her: Sie können sich selbst aufgeben oder kämpfen. Viele kämpfen, und viele gewinnen. Auch Menschen mit positiven Weissagungen kennen das, Menschen mit Talenten. Sie haben Angst, sie müssen sich gegen eine Gesellschaft, ein Bild von sich und den Eltern hinwegsetzen, um das zu erreichen, was sie sich wünschen. Man denke mal an eine junge Frau, die in heutiger Zeit eigentlich gerne "nur" Mutter vieler Kinder wäre und einen Haushalt führen möchte, weil sie es als ihr Talent, ihre besondere Fähigkeit und ihre besondere Freude erkannt hat und sie dieses Talent mit Liebe ausfüllen könnte. Sie muss sich gegen all die Anfeindungen auflehnen, die ihr entgegenschlagen, indem sie als "moderne Frau" nicht nach Karriere und beruflichem Weiterkommen strebt. Soll sie wirklich das Muttersein aufgeben, nur weil Fremde ihr sagen, das sei nicht gut, wenn es doch zugleich ihr innerstes Wesen ist?

Entweder ich erstarre angesichts des mir Vorhergesagten und erreiche gar nichts mehr und werde darüber traurig, oder ich gehe lebensfroh und -mutig hinein in mein Leben, erlebe es und ermögliche mir dadurch die Gestaltung desselben!

Als so modern erweist sich der alte Racker Sophokles, wenn man ihm genau zuhört.

7. Mai 2009

Wir sind in Aschaffenburg! (Sven)

Gestern Nacht kamen wir in Aschaffenburg an. Dort werden nun die nächsten drei Tage verbringen, um die letzten Proben vor der Vorpremiere durchzuführen und dann zwei Aufführungen im Hofgarten Kabarett zu spielen.

Wir sind in den letzten Tagen, die wir in Hamburg und Berlin mit Proben verbrachten, sehr weit gekommen. Wir haben noch ein paar Texte überarbeitet, jetzt steht nur noch ein Monolog von Ödipus aus, den wir schon in Prosa getextet haben und den Bodo nun verreimen wird. In den Proben konnten wir die Dynamik zwischen den komischen und den tragischen Momenten noch erhöhen. Mein vorrangiges Interesse dieser letzten verbleibenden Probentage ist es, den Figuren zwischen all dem Klamauk, der passiert, auch eine Glaubwürdigkeit in ihren Anliegen und Empfindsamkeiten zu geben, so dass der Zuschauer neben allem Lachen auch Mitgefühl für die Figuren spüren kann. Sonst werden die tragischen Momente am Schluß nur langweilig. Die Proben sind also intensiv, denn die Suche nach den empfindlichen, gefühlten, wahrhaftigen Stellen der Charaktere führt auch in die eigene Empfindungswelt.

Ödipus_Carl spielt Laios

Nebenbei haben wir aber auch Spaß, wie das kleine Video zeigt, daß ich bei einer Probe gedreht habe. Carl wollte gerne mal eine andere Szene als immer nur seine Sphinx-Szene spielen, und so durfte er man kurz in die Rolle von Laios schlüpfen, der seiner Frau den Orakelspruch beichtet. Mein Photoapparat kann leider kein Flash encodieren, darum gibt's das Video nur als Quicktime (hier klicken).

Das Hofgarten-Kabarett hat uns heute netterweise einen ganzen Tag seinen Saal zur Verfügung gestellt. Bis jetzt sind wir schonmal durch drei Szenen der zweiten Hälfte durch, gleich tritt der erste Hirte, jetzt noch älter, auf, und bestätigt auf Ödipus' Drängen den Verdacht, den dieser hat: er ist das Kind, das dieser einst über das Gebirge rettete!

Aber jetzt gehen wir erstmal was essen. Bis später!


8. Mai 2009

Stehende Ovationen! (Sven)

Das hat sich gelohnt! Nach noch einem langen und anstrengenden Tag, gab es am Abend für die erste Vorpremiere des Stückes stehende Ovationen! Bodo war in sehr guter Form, hat das meiste von dem, was wir noch am Nachmittag angesichts des fertig eingerichteten Lichtes noch verändert hatten, ohne Schwierigkeiten reproduziert und traf genau die richtige Mischung aus Komik und Dramatik. Die Zuschauer riß es vor Lachen von den Stühlen, wenig später hätte man eine Stecknadel im Saal fallen hören, während Bodo leise in der Rolle der Iokaste ihre Worte der Trauer flüsterte. Ein schöner Moment!

Morgen Abend geht's nochmal los. Was machen wir bis dahin? Proben!

9. Mai 2009

Nochmal! (Sven)

Und nochmal standing ovations! Auch die zweite Vorpremiere kam hervorragend an, und nachdem wir nochmal am Nachmittag einiges geprobt hatten, hat Bodo sich auch nochmals gesteigert!

Alles weitere erzähle ich am Dienstag, wenn ich wieder im Büro bin. Jetzt geht's erstmal in die Falle -- es war eine sehr anstrengende Woche. Morgen noch die Heimfahrt, und dann endlich mal einen Tag frei!

Ein paar Photos habe ich auch gemacht, die zeige ich Euch dann ebenfalls am Dienstag! (Siehe Galerie links)

12. Mai 2009

Eigentlich habe ich überhaupt keine Zeit für's Produktionstagebuch, aber ich hab's versprochen, und so schaue ich jetzt mal, wie weit ich komme.
Heute jagte wiedermal ein Termin den anderen. Erstmal im Büro das wichtigste abarbeiten (schließlich stehen die Projekte hier ja nicht still, bloß weil ich mal inszenieren gehe), dann zu Alma Hoppe zur Vorbesprechung der DVD-Aufzeichnung, dann Treffen mit Heike, der Kostümbildnerin, um die Änderungen durchzugehen, die sich aufgrund der Erfahrungen aus Aschaffenburg ergeben habe.

Ich habe ihr auch ein paar Photos aus A-Burg zeigen können, und sie hat sich sehr gefreut, daß das Kostüm so gut funktionert, wie ich es ihr mit voller Begeisterung schildern konnte. Es ist, wie man auf den Photos hier (die ich wohl erst morgen einstellen werde) erahnen kann, sehr schlicht, vor allem farblich erstmal nicht überraschend. Aber ihr ahnt gar nicht, was man dann alles mit dem Licht machen kann! Jede feine Nuance im Bühnenlicht, sei es eine leichte Farbänderungen, eine Richtungsverschiebung oder ein Intensitätsunterschied zeichnet sich sofort auf dem Stoff ab. Das mag nicht immer von jedem Zuschauer beschreibbar wahrgenommen werden, aber man empfindet, daß sich etwas verändert hat.
Dann habe ich noch die Planungen für die letzten Proben gemacht, und jetzt sitze ich hier ... ich werde tatsächlich lieber gleich nach Hause gehen, um noch etwas zu schlafen, bevor die endgültigen Endproben beginnen.

Ödipus_Premiere_Bodo erleichtert
>> Photo klicken zum Vergrößern <<

Nebenan könnt Ihr auf jeden Fall noch sehen, wie Bodo sich nach der 2. Vorpremiere gefühlt hat: die Erleichterung ist ihm - neben der Erschöpfung - buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Zweimal so großen Zuspruch für diese sehr andere Arbeit als seine bisherigen Klavierkabarettprogramme zu erhalten, ermutigt ungemein - es ist eben doch auch ein Wagnis. Wir wissen ja nicht, wie die Zuschauer, die ihn für sein Klavierkabarett mögen, dieses neue Stück annehmen werden. In Aschaffenburg jedenfalls nahmen sie es so gut an, daß wir gleich beschlossen haben, im Herbst statt einmal "Noah" und einmal "Ödipus" lieber gleich zweimal das antike Drama zu spielen.

13. Mai 2009

Work in progress (Sven)

Es ist immer wieder spannend mitzuerleben, wie sich eine Produktion entwickelt. Diese hier ist außerdem natürlich keine Standard-Theaterproduktion. Sie unterscheidet sich in wesentlichen Teilen auch von den übrigen Arbeiten, die ich für's Theater bisher gemacht habe (ein paar davon kann man sich übrigens auf meiner Website als Videos ansehen, z.B. "Der Umzug").

Als wir mit der gemeinsamen Arbeit daran begannen, gab es schon einen großen Teil des Textes. Gut, bei anderen Produktionen steht der gesamte Text schon vorher fest (manchmal ist er schon mehrere hundert oder sogar tausend Jahre alt), aber Bodo ist nicht in erster Linie Theaterautor und dieses Stück ist eher ein work in progress. D.h. es gab viel Textmaterial, aber keine konkrete Idee davon, was das Stück eigentlich aussagen soll. Es war eine lose Folge von witzigen Szenen, die zwar auf einen Showdown hinsteuerten, aber keine conclusio, message, Aussage oder einen philosophischen Unter- oder Überbau hatten, keine Orientierung bei der Beantwortung der Frage: worauf will der Autor eigentlich hinaus? Bei einem Stoff wie diesem ist das aber nicht unwichtig, es ist eben im Grunde keine Komödie und schon gar keine Revue. Es wird über Schicksal gesprochen, es kommen Kindesmißbrauch, Vatermord und Inzest darin vor, Beziehungen und Ereignisse also, die man nicht einfach unter den Tisch fallen lassen oder Witze darüber machen kann.

Als wir uns näher mit diesen Fragen befaßten, lagen die ersten beiden öffentlichen Proben schon hinter uns, und plötzlich wurde uns klar, das man einen großen Teil des Textes umarbeiten mußte, wenn man einen durchgehenden Gedanken, einen roten Faden in den Text einarbeiten wollte. Wir begannen mit langen Sitzungen und Treffen, in denen wir uns über das unterhielten, was uns im Originaltext begegnete und interessiert, wir suchten unsere Verbindung mit dem Stoff: was versteht Sophokles unter 'Schicksal'? Was will er ausdrücken, indem er das 'Schicksal' mancherorts als unausweichlich, vorherbestimmt, unabänderlich darstellt und die Figuren doch ganz unterschiedlich darauf reagieren und damit umgehen läßt? Wie wichtig ist uns in der neuen Fassung das Leid des Ödipus, Vater seiner eigenen Brüder und Schwestern zu sein oder auch von seinen Eltern verstoßen und fast ermordet worden zu sein?

Das erste Ergebnis dieser Treffen war ein Textbuch, das mehr als doppelt so lang war wie die erste Fassung. Darin standen alle Informationen, Überlegungen und Figuren- und Plotbewegungen, die wir noch einarbeiten wollten, als lange, erklärende Prosatexte. Diese Stellen hat Bodo sich dann vorgenommen und in Verse umgearbeitet. Manchmal habe ich einzelne Repliken von Figuren oder sogar mal einen ganzen Monolog inhaltlich stimmig in Prosa ausgearbeitet und Bodo hat dann verreimt.

Auf diese Weise entstanden bis zur dritten öffentlichen Durchlaufprobe über 250 neue Verse für das Drama (das mittlerweile rund 1.500 davon umfaßt). Darunter sind auch viele Lieder, die wiederum mittlerweile auch noch Soli, Vor- und Nachspiele erhalten haben, so daß auch die Musik ihren Teil der Erzählung übernehmen können.

Nachdem wir herausgearbeitet hatten, was wir insgesamt mit der Geschichte erzählen wollen, welche Haltung wir gegenüber dem Schicksal einnehmen wollen und wie und wo wir dazu Sophokles' Erzählung verändern oder diese nur aus Bodos Text herausschälen mußten, begann die Arbeit an den Figuren. Hier wie bei allem unserem künstlerischen Schaffen ist "Konsistenz" für uns das leitende Motiv. Man könnte es auch "Stimmigkeit" nennen: was die Figuren tun, muß innerhalb ihres Kosmos, dem Rahmen der Erzählung und der Plausibilität von menschlichem Handeln im allgemeinen erklärbar sein. Eine mögliche Erklärung kann auch "Absurdität" sein, aber auch diese muß dann konsequent im Stück und in der Figur umgesetzt und erkennbar sein. Das ist eine große Aufgabe, wenn die Herangehensweise zuerst war, daß das Stück einfach nur witzig und gut gereimt sein soll! Doch auch das haben wir unternommen, wiedermal wurden neue Verse geschrieben, Text von einer Figur an die andere gegeben. Und dann setzte natürlich auch die Probenprozess ein und drückte den Figuren ihren Stempel auf. Manches, was im Buch erstmal unlogisch und inkonsequent erschien, wurde auf der Probe durch das Spiel, die Art der Betonung, des Eindrucks und des Ausdrucks, der Stimmung in der gesamten Szene sinnfällig.

Jetzt haben wir das alles fast schon geschafft. Wir haben heute gerade in der Probe nochmal viel aus den letzten Szenen des Stückes herausgeholt: eine Mutter, die fast an dem Kindsmord zerbrochen ist, einen Herrscher, der gerne Kind seiner Eltern gewesen wäre, viele intensive, eindrückliche Momente, die den Zuschauer verstehen lassen, was in diesem Menschen auf der Bühne vorgeht.

Besonders interessant sind für mich dabei die Texte des Sprechers. Nach unseren ersten Sitzungen zu den Leitthemen des Stückes hatte wir vieles davon in die Liedtexte, d.h. die Texte des Sprechers gelegt. Er wurde ein wichtiger Kommentator des Geschehens, er übernahm quasi die Funktion des Chores im antiken Drama. Ohne ihn wäre nicht erkennbar gewesen, wohin Autor und Regisseur eigentlich wollen.

Ödipus_Vorpremiere_Ödipus stellt sich dem Volk
>> Ödipus stellt sich seinem Volk <<

Mittlerweile jedoch geschieht alles, was gesagt werden soll, den Figuren selbst! Sie sind es, die die Texte von sich geben, die den Kern der Aussage bilden. Sie tun das natürlich nicht als Kommentar, sondern als Sprache gewordenes Handeln und Erleben. Das ist natürlich viel spannender, als eine außenstehende Figur zu haben, die dem Zuschauer alles erklären muß. Viele interessante Momente sind so für die Figuren entstanden: der Fluch, der auf Laios aufgrund seines eigenen Vergehens lastet, kommt zur Sprache. Das ist ein wichtiger Sachverhalt, um zu verstehen, worin sich Laios' und Ödipus' Umgehensweise mit ihrem Schicksal unterscheidet. Laios nämlich lehnt die Verantwortung für sein Handeln ab, er übergibt das Problem an seinen Sohn und läßt ihn dafür büßen, was er selbst angezettelt hatte. Ödipus hingegen gerät vollkommen unverschuldet in seine Situation und begeht auch seine Untaten ungewollt und unwissend; trotzdem übernimmt er am Ende Verantwortung, stellt sich dem Urteil des Volkes und der Strafe, die durch das Orakel verkündet war. Zusätzliche Texte, die es zur letzten öffentlichen Probe noch nicht gab, die nun von Laios, Ödipus und Iokaste gesprochen werden, lassen die ganze Größe des Geschehens nun deutlich erkennen. Iokaste nimmt noch einmal Verbindung zu damals auf, drückt ihren ganzen Zweifel an der Tat gegenüber ihren neugeborenen Kind aus. Ödipus bringt seine Erkenntnis, sein Annehmen seiner Bestimmung Kreon gegenüber zum Ausdruck.

Und auf einmal ist der Schlußsong, den wir bislang geschrieben hatten, zu zwei Dritteln obsolet! Alles ist bereits zuvor gesagt, und wir können auf all das belehrende, didaktische Vordenken des Sprechers gegenüber dem Zuschauer, all das Agitative der letzten Liedverse verzichten. Wie herrlich! Wie wunderbar, was für ein schöner Prozeß! Vom Sprecher weg in die Figuren, von der Metaebene in die Spiel- und Charakterebene! So soll es sein.

Und bis zum 17.5. werden wir dann auch den letzten noch fehlenden Monolog von Prosa in Lyrik verwandelt haben und das Stück wird in der Tat seine erste vollständige öffentliche Aufführung, um nicht zu sagen: seine Uraufführung, erfahren.

16. Mai 2009

Ödipus_Text vollendet

Er ist fertig! (Sven)

Vergangene Nacht um 0:04 haben wir mit dem letzten Monolog des Ödipus (16 Verse) und der letzten Korrektur für zwei Verse der Iokaste den Text für "König Ödipus" abgeschlossen! Während der Probe hatte wir zuvor schon eine komplette neue Strophe für das Finale neu geschrieben. 60 Seiten mit rund 1.400 Versen sind vollendet!

Statt groß zu feiern, sind wir zwar lieber gleich schlafen gegangen, aber wir sind nichtsdestotrotz sehr erleichtert, es nun endlich geschafft zu haben! Was für eine Arbeit! 15 Jahre sind vergangenen seit die ersten Verse entstanden (die Verse der ersten Teiresias-Szene haben wir übrigens fast alle überarbeitet oder gestrichen und statt dessen neue Verse geschrieben - von dieser Szene wird es also zwei Fassungen geben, eine für "Ich denke, also sing' ich" und eine für "König Ödipus"). Und nun ist es soweit: heute proben wir noch den neuen Monolog, morgen dann steht Bodo zum ersten Mal damit auf der Bühne!

17. Mai 2009

Triumph des Ödipus (Sven)

Ich kann's und will's nicht anders sagen: es war ein unglaublicher Erfolg! Standing Ovations noch während Bodo die Verbeugung aller beteiligter Figuren spielte, und das minutenlang. Dann kam ich auf die Bühne, und auch da wurde lange applaudiert, und nach der Zugabe sprangen dann nochmal alle Zuschauer von den Sitzen und entließen Bodo mit diesem wunderbaren Abschied von der Bühne.

Ödipus_Premiere_Blumenübergabe
>> Sven, Heike, Bodo, Til und Carmen <<

Wir haben es also geschafft! Gelobt wurden von allem auch die intensiven Momente und wie wir die Kurve kriegen weg vom rein komödiantischen Zugriff auf das Stück hin zu den dramatischen, tragischen Momente der Erkenntnis, des Selbstmords und der Blendung. Und wieder zurück, um den Zuschauer mit einem guten Gefühl zu entlassen. Die Dynamik im Stück ist immens groß, und die Menschen sind mitgegangen. Sie haben sich hinreißen lassen und saßen mit offenen Mündern, voller Staunen und Entsetzen da, als Ödipus blind auf der Bühne sitzend zum ersten Mal im Stück seine wahren Eltern anspricht - die er jedoch nicht mehr erreichen kann. Was für ein Theater!

Im zweiten Teil schloß sich leider der Kreis des ganzen Unterfangens etwas zu eng um Bodo: er knickte in der Tanzszene mit dem linken Fuß um. Der wurde dick, wir wußten am Abend noch nicht, was geschehen war, doch da saß er dann bei der Premierenfeier ruhig in der Ecke mit geschwollenem Fuß, ein wahrer Ödipus. Denn "Ödipus" heißt übersetzt "Schwellfuß"; so nannten Polybos und Merope das Findelkind, weil es mit verletzten, geschwollenen Fersen an sie übergeben wurde. Laios und Iokaste hatten sie dem Kleinen vor den Aussetzen durchstechen lassen.

Bodo, mein Lieber! So intensiv hättest Du nicht in die Rolle einsteigen müssen!

19. Mai 2009

Ich habe mir den Fuß gebrochen! (Bodo)

Na, das ist ja was! Die Premiere war zwar grandios, aber leider bin ich bei der Tanzeinlage umgeknickt. Quasi dumm gelaufen. Mit soviel Adrenalin, wie ich an dem Abend im Blut hatte, habe ich zwar nicht so viel gemerkt, aber hinterher tat's wirklich weh. Am Tag der 2. Aufführung war ich dann im Krankenhaus, fünf Stunden hat das gedauert! Zweimal geröntgt: Sprunggelenksriß. Und doch hab ich Glück um Unglück: der Bruch ist glatt und die Teile nicht gegeneinander verschoben. Insofern bestehen gute Heilungsaussichten. Und: es ist der linke Fuß! Den brauche ich nicht zm Klavierspielen!

AV_Reisetagebuch mit Krücke

So konnte ich also am Abend im Schmidt Theater ersatzweise spontan "Achillesverse" spielen. Die meisten Zuschauer, die eigentlich für "König Ödipus" kamen, haben das Angebot auch angenommen und sind geblieben. Ich danke Euch dafür! Denn es wäre schon schade gewesen, wenn ich vor einem überwiegend leeren Saal hätte spielen müssen. An Euren Reaktionen konnte ich ablesen, dass es Euch auch gefallen hat. Besonders das Reisetagebuch kam gut an; und genau dabei hatte auch ich sehr viel Spaß: endlich durfte ich mich mal so richtig rumlümmeln auf der Bühne (siehe Photo).

Doch was geschieht mit den übrigen Aufführungen, die geplant sind? Der Arzt sagte, ich müsse das Gelenk ein paar Wochen stillhalten. Die Schiene war auch erstmal nur ein Kompromiß, damit ich gestern auftreten konnte.
Wir wissen es noch nicht, aber wir arbeiten intensiv daran. Denn ich will Euch natürlich nicht enttäuschen und so bald wie möglich wieder "Ödipus" spielen.
Sven arbeitet gerade schon an verschiedenen Fassungen der Inszenierung, bei denen ich nicht so viel umherlaufen muß. Zusammen mit meiner Agentin Silke und allen Veranstaltern beraten wir, was in jedem Einzelfall, bei jedem Termin am besten zu tun ist.

AV_Applaus mit Krücke

Ich bitte Euch: geht es - so wie ich - locker an. Bitte bestürmt nicht die Veranstalter und Theaterkassen mit Anfragen. Ihr werdet auf meiner Website und über den Newsletter immer über dem neuesten Stand der Entwicklung informiert werden. Und Ihr könnt sicher sein: wir tun unser Möglichstes.

Drückt am besten einfach die Daumen, dass es so schnell wie möglich besser wird. Danke!

20. Mai 2009

Untersuchung I (Sven)
Wir müssen die nächste Untersuchung abwarten, bevor wir bezüglich der kommenden Ödipus-Termine eine Entscheidung treffen können. Denn erst dann wird sich herausstellen, wie belastbar Bodo für die nächsten Wochen sein wird.

Alle Termine mit den Klavierkabarettprogrammen finden hingegen statt. Darin wird er allerdings die sehr körperlichen Stücke wie die Ödipus-Episoden in "Noah" und "Ich denke" oder auch den "Hunde"-Step in "Achilles" nicht spielen. Statt dessen spielt er Lieder aus seinem allerneuesten Programm, das erst im Februar 2011 Premiere haben wird.

24. Mai 2009

Untersuchung II (Sven)
Bei einer erneuten Untersuchung hat sich ergeben, dass neben dem Bruch auch ein Außenband abgerissen ist und dabei ein Stück vom Knochen mitgenommen hat. Kein Wunder, dass der Knöchel so dick aussieht!

25. Mai 2009

Ödipus fällt leider aus (Bodo)
Leider werde ich aufgrund meiner Sprunggelenksfraktur und des Bänderrisses die für Juni angekündigten Aufführungen von "König Ödipus" nicht spielen können - ein Jammer für alle Beteiligten, für mich und für Euch, die Ihr Karten habt.

Wir haben uns mit jedem Veranstalter um die beste denkbare Lösung für dieses Problem bemüht. Manchmal war es möglich, die Termine einfach mit anderen bereits verabredeten in diesem Jahr zu tauschen. Andernorts ging das nicht so spontan, hier müssen wir noch Ersatztermine finden. In jedem Fall spiele ich statt des Theaterstücks eines meiner Klavierkabarettprogramme. Das geht nämlich auch mit gebrochenem linkem Fuß. Sofern in den Programmen Step- oder Theaternummern vorkommen, werde ich diese durch brandneue Stücke meines noch nicht veröffentlichten vierten Klavierkabarettprogramms ersetzen: falls Ihr also dennoch kommt, seht Ihr Sachen, die vor Euch noch kaum jemand gesehen hat!

Und so sieht der veränderte Tourplan für Juni/Juli aus:

  • 29.5. Staatstheater Darmstadt - wird "Ich denke, also sing' ich" (wir suchen noch nach einem Ersatztermin)
  • 30.5. Lindenhalle Wolfenbüttel - wird "Noah war ein Archetyp" (das Theaterstück werde ich voraussichtlich beim Classix Festival im nächsten Jahr spielen)
  • 5.6. Neues Theater Frankfurt/Höchst - wird "Ich denke, also sing' ich" (mit CD-Aufnahme)
  • 10.6. Springmaus Bonn - wird "Ich denke, also sing' ich" (dafür spiele ich "König Ödipus" am 11.9.)
  • 11.6. Springmaus Bonn - wird "Ich denke, also sing' ich" (dafür spiele ich "König Ödipus" am 12.9.) -> Aufgrund der größeren Nachfrage nach "Ich denke" spiele ich hier dieses Programm statt wie im Newsletter angekündigt "Achillesverse" !!!
  • 13.6. Comedia Köln - wird "Ich denke, also sing' ich" (wir suchen noch nach einem Ersatztermin)
  • 20.6. LMU München - wird "Ich denke, also sing' ich" (dafür spiele ich "König Ödipus" am 1.+2.9. im Lustspielhaus)
  • 25.6. Wühlmäuse Berlin - wird "Ich denke, also sing' ich" ("König Ödipus" ist aber schon für den 23.11. im Schloßparktheater Berlin geplant)
  • 7.7. Ersatztermin im Schmidt Theater für die ausgefallene Vorstellung am 18.5.

Falls Ihr die Programme schon kennt oder partout nicht sehen wollt,  könnt Ihr die Karten zu den gültigen AGB der örtlichen Veranstalter gegebenenfalls auch gegen Rückerstattung an der Konzertkasse zurückgeben, an der Ihr sie gekauft habt.

26. Mai 2009

Programm update (Sven)
Aufgrund der größeren Nachfrage nach "Ich denke, also sing' ich" als nach "Achillesverse" haben wir den Termin am 11.6. in Bonn nach dem Versand des Newsletters nochmals in "Ich denke, also sing' ich" getauscht!

Und ein HINWEIS aufgrund häufiger Nachfrage: Die Karten für "Ödipus" sind für die Ersatzprogramme gültig! Ihr müßt sie nicht tauschen, sondern einfach mit den "Ödipus"-Karten zum Veranstaltungsort kommen! Ihr werdet dann mit diesen in den Saal gelassen!

6. Juli 2009

Probenfotos (Til) Hier noch eine kleine Bildergalerie mit Photos, die Nele am Tag der Wiederaufnahmeproben im Schmidt-Theater gemacht hat.


10. Juli 2009

Bodo steht auf einem Bein
>> Bodo beim Aufwärmen am 7.7.09 auf der Bühne <<

Leichtfüßig (Til) Das war sie nun, die erste Aufführung von "König Ödipus" nach der Fußverletzung im Mai. Vor ausverkauftem Haus stand Bodo am 7.7.09 auf der Bühne des Schmidt-Theaters und spielte quasi seine zweite Premiere, denn durch die Zwangspause war ein kontinuierliches Proben nicht möglich und die sichere Routine, die durch wiederholtes Aufführen entsteht, war noch nicht gegeben. Aber Bodo hat es gemeistert und stand am Ende einem jubelnden und begeistertem Publikum gegenüber.
Der Fuß, den sich Bodo am Morgen noch durch einen neuen Stützverband hat schützen lassen, spielte mit, wie er sollte.
Zugegebenermaßen haben fast alle vom Team die Luft angehalten, als es zur entscheidenden Szene kam, in der sich Bodo bei der Premiere die Verletzung zugezogen hat, denn Bodo, bzw. König Ödipus freute sich an diesem Abend ebenso stürmisch und akrobatisch über die Nachricht aus Korinth, wie in der Premierenaufführung. Alles ging gut und jetzt kann die DVD-Aufzeichnung im August kommen. Über den Fortgang des DVD-Projekts informiert Euch ab jetzt das DVD-Produktionstagebuch.
Hier könnt Ihr Euch ein mp3 anhören. Die Radiojournalistin Katrin Jäger hat das Publikum am 7.7.09 befragt, wie Ihnen Bodos "König Ödipus" gefallen hat.

Das Publikum über Bodos König Ödipus
König Ödipus
 


cover ödipus
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